Friends again

Russischer Zupfkuchen. Oder auch: Wie der Zupfkuchen und ich wieder Freunde wurden…

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Nach den Zimtsternen ein weiteres Küchenrelikt aus meiner Schulzeit. Russischer Zupfkuchen. Unten und oben schön knusprig (Knusprig vermutlich nur in nostalgischer Erinnerung- vermutlich in Wahrheit furztrocken nachdem er durch die halbe Schule geschleift wurde- störte damals aber eher weniger). Innen feuchtfröhliche schlabber Matsche. Soweit meine Erinnerung an Zupfkuchen. Nahezu wöchentlich mussten wir damals irgendwelche Kuchen zu irgendwelchen „Anlässen“ mit in die Schule schleppen- und wenn es nur dem Zweck diente den Unterricht durch die eingelegte Kuchen-ess-Pause zu verkürzen. Und da die Mütter irgendwann streikten, fingen wir an „Russischer Zupfkuchen“ in Backmischungsvariante zu backen. Teilweise 2-3 mal die Woche. Vermutlich explodierte damals der Backmischungskonsum auf Grund unserer Hamsterkäufe. Wir liebten diesen Kuchen. Bis es uns fast zu den Ohren rauskam.  Jahrelang konnte ich Zupfkuchen nur noch aus der Ferne betrachten und beim Gedanken an außen braun, innen hell, oben gefleckt wurde mir leicht übel.

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Als ich letztens auf Heimatbesuch war und Samstag Vormittag die Küche betrat, sah ich ihn dann nach vielen Jahren wieder. Da stand er, noch in der „Rohfassung“ und in Einzelteilen (und ohne Backmischung) und wartete nur darauf, in die Form gepackt und gebacken zu werden.

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Kurzerhand beschloss ich, dem Guten wieder eine Chance zu geben- war er doch eigentlich lange Jahre ein treuer Freund. Packte meine Mini-Förmchen, stibitzte Teig (Entschuldigung an dieser Stelle an alle, die wegen mir einen zu klein geratenen Sonntagskuchen bekamen…hüstelhüstel) und bastelte kurzentschlossen Mini-Zupfkuchen- man soll’s ja nicht gleich übertreiben.

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Aus den ersten Zutaten einen Mürbeteig herstellen. 2/3 des Teiges in eine gebutterte Springform geben oder auf vier kleine Förmchen aufteilen. Alle Füllungszutaten miteinander verquirlen und darauf verteilen. Restlichen Teig darauf zerzupfen. Im vorgeheizten Backofen (170 Grad Umluft) etwa 50-55 Minuten backen.Ja10_ergebnis

Nachdem die kleinen niedlichen Krümelberge (sie hatten wirklich mehr Ähnlichkeit mit Mauwurfkuchen- ein weiteres Relikt- aber dazu vielleicht ein anderes mal) dann so verlockend duftend und hübsch aus dem Ofen kamen, war es eigentlich schon um mich geschehen. Als der Zupfkuchen dann auch noch lauwarm plötzlich innen so herrlich vanillig-cremig und außen dezent schokoladig schmeckte, versprach ich dem guten alten Zupfkuchen ihn künftig nicht länger links liegen lassen.Ja4_ergebnis

In diesem Sinne, ein kleines Plädoyer dafür, allen ungeliebten Sachen alle paar Jahre wieder eine Chance zu geben. Manchmal entdeckt man vergessene Lieben wieder (manchmal auch nicht: Der olle Rosenkohl versucht es schon seit Jahren vergeblich bei mir sich einzuschleimen- baaaah. Klappt einfach nicht.)

Macht es euch schön und einen tollen Sonntag,

Anja

Bezugsquellen

Servietten Rie Elsie Larsen: Geliebtes-Zuhause*

Tortenplatte Ida: Das-Tropenhaus*

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