Fernweh-Freitag: Mit dem Bus durch Malaysia

Meine Lieben,

gegen Winterblues und grauer Nebelsuppe gibt es ab jetzt für euch den Fernweh-Freitag. Ein bisschen Sonne fürs Herz. Heute nehme ich euch mit auf mein Sommerabenteuer in Malaysia.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

______________________________________________________________________________________________

Vor meiner Nase oberhalb des Busfahrers befinden sich 4 Schilder. Das erste soll wohl heißen „Essen verboten“, stelle ich mit Blick auf mein Gebäcktütchen und dem Knuspern vom Hintermann in den Ohren fest, das zweite wohl soviel wie bei uns „während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen“ während dieser sich lauthals und wild gestikulierend bei Tempo 90 mit den zweiten, Pause habenden Busfahrer unterhält. Schild drei mit dem durchgestrichenen Mobiltelefon nehme ich nur noch im Augenwinkel wahr, während der am Steuer sitzende Herr mit einem Handy am Ohr durch Palmenplantagen braust und sich dabei eine Zigarette ansteckt (das vierte und letzte Schild). Ach ja, eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön….oder wie ging dieser Schlager doch gleich?

DSC00623

Aber der Reihe nach:

12 Tage Sonne, Segeln, Meer und Strand liegen vor uns. Knapp 2 Wochen raus aus dem hektischen Alltag, dem Fernweh frönen und fremde Länder entdecken. Dem Ganzen steht nur noch eine läppische 6 stündige Busfahrt durch ein komplettes Land im Weg. Knapp 700 Kilometer, von Singapur bis rauf in den Norden Malaysias an die Thailändische Grenze nach Kuala Terengganu.

Hätte mir letztes Jahr einer gesagt, dass ich 2013 mit Sack und Pack in einem öffentlichen Verkehrsmittel durch Süd-Ost Asien fahre (wobei fahren hier auch synonym mit „tuckere“ übersetzt werden kann)- ich hätte sie ALLE ausgelacht. Alle miteinander. Sowas von. Aber nachdem wir von zuhause aus vergeblich sämtliche Verkehrsmittel abgeklappert hatten (Zug: Nächster Bahnhof 150Km von unserem Zielort entfernt. Flugzeug: Mit zwei Zwischenstopps, 8 Stunden Dauer und 200 Euro) entschieden wir  uns (ähm…Halt…Stopp… Es muss heißen „beschloss der Mann“) für den Bus. Mit umgerechnet knapp 12 Euro pro Person ein wahres Schnäppchen.

Also gut. Bus. Wir lassen uns von einem verwirrt drei blickenden Taxifahrer nicht verunsichern und stehen mit (wah ich sags ja ungern, aber deutscher) Pünktlichkeit um 8:19 Uhr im Hinterhof (ja, ein Hinterhof kann ja mal als Busbahnhof zweckentfremdet werden…) eines Singapurer Luxushotels und warten auf den um  9 Uhr abfahrenden Bus. Abfahrt? Verzögert sich um ne Stunde da der erste Bus ausfällt.  Bus? Überraschend schön und modern! Innerlich hatte ich mich ja schon auf allem von Pritschenwagen bis Traktor sitzen sehen

Nachdem ich den Rucksack im überfüllten Gepäckfach untergebracht hatte musste ich feststellen, dass wir die einzigen zwei Nicht-Einheimischen im ganzen Bus sind, die zur Feier des Tages dann auch noch den Platz hinterm Busfahrer zugewiesen bekamen. Ja, es hatte wirklich jeder einen „reservierten“ Platz. Vorteil: Grandiose Aussicht. Nachteil: Etwas weniger Aussicht auf entgegenkommende waghalsige Überholmanöver hätte es auch getan.

Also gut, los geht die wilde Fahrt. Nach 20 Minuten hält der Bus an einer futuristisch anmutenden Station. Anscheinend sind wir die einzigen verwirrten die nicht wissen was zu tun ist und traben mal den anderen aussteigenden Mitreisenden hinterher. Aha, Zollkontrolle wegen der Ausreise aus Singapur. Passkontrolle war es also was uns der Mitarbeiter des Busunternehmens vorhin wild gestikulierend mitteilen wollte.

Ich komm mir schon ziemlich weltmännisch vor, wie ich da stolz wie Oskar mit meinem frisch gestempelten Pass und den Worten des Zöllners „oh, Anja- oh what a nice name“ (lustigerweise der zweite Zöllner innerhalb von 2 Tagen der das sagt. Bereits am Flughafen in Singapur sagt der dortige Sicherheitsangestellte wortwörtlich das Gleiche) im Ohr das Grenzgebäude verlasse und wieder auf meinem Platz sitze. Also gut, geht noch jeder schnell seinen Bedürfnissen nach und nach 45 Minuten Zoll-Zwangspause geht die Reise weiter. Allerdings nur 5 Minuten. Na gut, nun kennen wir das Spiel ja bereits und wissen inzwischen wieso plötzlich alle aufspringen. Einreisezoll nach Malaysia. Nur diesmal muss leider das Gepäck mit. Also wuchtet das Fräulein ihren zuvor sorgsam verstauten Rucksack unter den Augen von gefühlt 100 Schaulustigen aus dem Reisebus und trottet die Treppen hoch wo etwa 50 Leutchen vor mir in der Schlange warten.

DSC00520

Wieder 40 Minuten später sitze ich mittlerweile etwas genervt von dem ganzen Ein- und Ausreise Prozedere wieder im Bus und warte darauf dass es endlich losgeht. Kaum losgefahren hält der Bus auch schon wieder an. Langsam werde ich bockig ob jetzt schon wieder ne Grenze kommt. Es ist ja auch erst kurz nach 12 Uhr und wir sind noch keine 20 Kilometer weiter als vor 2 Stunden… Scheinbar will uns der gestikulierende Mann vor uns wieder etwas mitteilen und bugsiert uns aus dem Bus. „Na bravo, ausgesetzt im malayischen nirgendwo“ höre ich mich innerlich das Männchen verfluchen, der Hauptreisebeauftragte für diese kuriose Busreise:-) Also gut. Ich stehe mit meinem Rucksack auf einem äääähm…Rasthof… und plötzlich kommt der nächste gestikulierende Freund angespurtet und schleift uns hinter sich her zum nächsten Bus. Aha, vielleicht doch nicht ausgesetzt und in mir keimt die Hoffnung auf einen Platz eher in den hinteren Reihen des Busses auf. Aber nein doch, man möchte uns scheinbar etwas Gutes tun und so finde ich mich kurze Zeit später wieder auf der ersten Bank wieder. Nur diesmal lieben die zwei Busfahrer Radio und so kleben meine Ohren quasi an den für meinen Geschmack zu laut aufgedrehten Musikboxen des Busfahrers und hören gezwungener Maßen malayische Pop-Musik (sehr interessant, wer mal kosten möchte einfach bei Youtube Malay Pop eingeben:-). Als die Fahrt fortgesetzt wird muss ich einfach nur noch lachen angesichts dieser kuriosen Situation. Als der etwa 70jährige Kollege links neben mir die Socken auszieht und es sich mit einer Hightech Spielkonsole auf den 5 Koffern bequem macht lasse ich immer noch schmunzelnd meine Rückenlehne zurück und entspanne mich langsam wieder.

DSC00519DSC00516

Als die nackten Füße links neben mir nach etwa 10 minütiger Fahrt ihren Weg zurück in die Sandälchen finden schwant mir böses und Augenblicklich hält unser rollendes Gefährt auf einem Rastplatz. Nach 30 Minuten Fahrt und 3 Stopps in knapp 3 Stunden ist auch dringend wieder ein Päuschen nötig…

An dieser Stelle ein gut gemeinter Tipp an alle verwirrten Fahrgäste wie unser einer: Unbedingt in Singapur Malaysische Währung wechseln (MYR) und mit Bargeld die Busfahrt antreten (uns ging es so, dass wir die einstündige Mittagspausenrast mit einer Kreditkarte in der Hand hungrig in einer Raststätte ausharrten, wo niemand Englisch verstehen mochte und Kreditkartengeräte noch unbekannt waren). Nach einer Stunde Wartezeit, viel hunger grummeln im Bauch und Knabbergeräuschen vom Hintermann im Ohr setzen wir die Fahrt mal wieder fort.

Einige Minuten später beginnt mein Sitznachbar von hinten, mir eigenartige braun-glibbrige Früchte (gekochte Erdnüsschen) durch den Sitz nach vorn zu schieben. Nach anfänglicher zur Wehr Setzung fange ich an, das aufgeweichte und nach altem Karamellbonbon aussehende Ungetüm in mein Mund zu bugsieren. Schmeckte wie Kartoffel mit ungesüßtem Snickers- aber eigentlich sehr lecker. Scheinbar hat man mir angemerkt wie hungrig ich war und so landete schließlich der gesamte Erdnuss-Becher des lieben Malaien bei mir im Bauch. Ich bin heute noch baff vor so viel Nettigkeit und Freundlichkeit der Mitreisenden und habe mir fest vorgenommen, irgendwann in einem deutschen Fernbus auch mal einem kurz vorm verhungern stehenden Asiaten Nüsschen zuzuschieben.

DSC00659

Die nächsten 6 Stunden waren nicht erwähnenswert. Schlafen. Wach. Palmenplantagen. Schlafen. Wach. Bonbon essen. Palmenplantagen. Schlafen. Wach. Reiseführer lesen. Palmenplantagen. Schlafen. Wach. „Wie lange dauerts noch“-Nöhlen. Palmenplantagen… Achja und in den 6 Stunden haben wir bestimmt nochmal 6 Pinkelpausen gemacht, 10 Leute vor ihrer Haustüre aussteigen lassen und 5 Fahrerwechsel hinter uns gebracht.DSC00645

Nach läppischen 13 Stunden statt 6 Stunden wie angegeben kommen wir im norden Malaysias an. Fazit des Tages: Nie ohne Essen eine Busreise unternehmen. Wenn man vorher ahnt, was auf einen zukommen könnte ist die ganze Busreise zwar anstrengend aber genau genommen auch ziemlich lustig.  Auch wenn du nie weißt was als nächstes kommt ist auch diese verwirrte Busfahrt ein unvergesslicher Teil unseres Urlaubs und genau genommen (im Nachhinein betrachtet) eigentlich auch mega Spaßig gewesen. Beeindruckt hat mich auch die Freundlichkeit der Malaien. Obwohl wir uns oftmals 0 verständigen konnten, versuchten uns sämtliche Mitreisende und Angestellte des Busunternehmens so gut es nur irgendwie mit Händen und Füßen ging, zu helfen. Als wir nach der Busfahrt an einem überfüllten (eine deutsche Ubahnstation zur Rush-Hour ist ein Spaß dagegen) Busbahnhof ankamen und im ganzen Durcheinander versuchten ein Taxi zu orten, organisierte uns der Busfahrer per Telefon eine Mitfahrgelegenheit. So eine Hilfsbereitschaft würde ich mir bei uns auch wünschen…

DSC00653

In diesem Sinne,

Frohes Fernweh,

Anja

_______________________________________

Busreisen durch Malaysia gibt es beispielsweise bei Transnasional oder anderen Anbietern hier zu buchen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.